Depressionen verstehen – wenn die Seele erschöpft ist

Depressive Erkrankungen gehören zu den häufigsten psychischen Belastungen unserer Zeit. Und dennoch fühlen sich viele Betroffene damit allein, unverstanden oder schuldig. Eine Depression ist jedoch keine persönliche Schwäche, sondern eine ernstzunehmende psychische Erkrankung, die erfolgreich behandelt werden kann.
Nach dem ICD-10, dem international anerkannten Klassifikationssystem für Krankheiten, zählt die Depression zu den sogenannten affektiven Störungen. Sie ist gekennzeichnet durch eine anhaltende Beeinträchtigung von Stimmung, Denken und Antrieb, die mindestens zwei Wochen andauert und den Alltag spürbar einschränkt. Je nach Ausprägung unterscheidet man leichte, mittelgradige und schwere depressive Episoden.Eine Depression zeigt sich nicht bei allen Menschen gleich. Häufige Anzeichen sind unter anderem:
• Anhaltende Niedergeschlagenheit, innere Leere oder Hoffnungslosigkeit
• Verlust von Freude und Interesse an Dingen, die früher wichtig waren
• Erschöpfung, Antriebslosigkeit, das Gefühl ständiger Überforderung
• Schlafstörungen oder veränderter Schlafrhythmus
• Konzentrations- und Entscheidungsprobleme
• Grübeln, Selbstzweifel, Schuldgefühle
• Veränderungen von Appetit oder Gewicht
Gedanken an den Tod oder den Wunsch, „nicht mehr da sein zu wollen“ Nicht alle Symptome müssen gleichzeitig auftreten, um an einer Depression zu leiden.
Viele Betroffene funktionieren nach außen weiterhin, sie gehen arbeiten, kümmern sich um Familie, erfüllen Erwartungen. Innerlich kostet jedoch alles Kraft. Selbst kleine Aufgaben können sich überwältigend anfühlen. Diese Diskrepanz zwischen Außenwirkung und innerem Erleben macht Depressionen oft schwer erkennbar. Sowohl für andere, als auch für die Betroffenen selbst. Frauen erhalten statistisch häufiger die Diagnose Depression. Männer hingegen suchen seltener psychotherapeutische Hilfe und zeigen depressive Symptome oft indirekter, etwa durch Reizbarkeit, Rückzug, Wut oder erhöhten Alkohol- und Substanzkonsum. Depressionen betreffen jedoch alle Geschlechter und können in jedem Alter auftreten: Bei Jugendlichen, Erwachsenen und älteren Menschen. In etwa jede/r Fünfte erkrankt im Laufe ihres Lebens mindestens einmal an einer Depression. Sie zählen zu den häufigsten Gründen für psychotherapeutische Behandlung.
Die gute Nachricht: Depressionen sind gut behandelbar. Psychotherapie kann helfen, Symptome zu lindern, Zusammenhänge zu verstehen und neue Wege im Umgang mit Belastungen zu finden. Wenn Sie merken, dass Ihre Belastung anhält, Ihr Alltag schwerer wird oder Sie sich selbst kaum wiedererkennen, ist es sinnvoll, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Depressionen können sich leise entwickeln und genauso leise sehr belastend werden. Sie müssen diesen Weg nicht allein gehen. Psychotherapie bietet einen geschützten Raum, um verstanden zu werden, Entlastung zu finden und neue Perspektiven zu entwickeln.



Praxis für Psychotherapie -  Gesundheitspraxis Südburgenland vital
Mag. Birgit Hofmann-Neuhold, BA, BA, MA